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Es kam, wie es kommen musste: Ich war mittlerweile so alt, dass ich mir auch mein Trainingslager selbst organisieren musste! Nachdem man in Wedel die letzten Jahre zu Hause trainiert hatte, galt es in meinen Augen etwas "Größeres" auf die Beine zu stellen - also Freibadtraining in der fernen Sonne. Ich klapperte verschiedene Reiseanbieter mit ihrem jeweiligen Angebot ab und fand in England ein interessantes Angebot bei Sports Abroad Ltd - Zypern.
Zwar ist der Grundpreis auf Zypern im Vergleich etwas höher, doch in diesem Jahr bot die Zypriotische Tourismusgesellschaft einen wahren Leckerbissen an, indem Mannschaften eine Förderung von 150 € pro Person zugesichert wurde. Dazu erinnerte ich mich gerne an das Jahr 1995, als ich auf Zypern mein erstes Auslandstrainingslager erleben durfte. Das Wetter im Frühjahr war - gerade im Vergleich zu Destinationen wie Malta oder Spanien, die ich in den letzten Jahren ausprobiert hatte - auch nachts angenehm warm, die Sonne tagsüber nicht zu intensiv.
"Gewöhnungsbedürftige" Flugverbindungen senkten den Preis weiter, doch erst der Gewinn unten genannter Sponsoren führte dazu, dass der von den Eltern benannten Höchstpreis von 750 € pro Nase unterschritten werden konnte. Im Namen aller bedanke ich mich auch an dieser Stelle noch einmal für die Großzügigkeit.
Während ich mich am Vorabend der Abreise in Kiel herumtrieb, konnte die Gruppe den Vorabend-Check-In nutzen, so dass wir uns am Sonntag "erst" um 5 Uhr an der Badebucht treffen mussten, um gemeinsam zum Flughafen gefahren zu werden. Die Flugreise inklusive Sicherheitskontrollen verlief, bis auf einen kleinen Zirkelzwischenfall, erstaunlich reibungslos. Hierbei profitierte der Betreuerstab sicherlich von der Müdigkeit der Athleten, die noch zu keinem Schabernack in der Lage zu sein schienen.
Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen nutzten alle jede sich bietende Gelegenheit hinter den Sicherheitskontrollen in Hamburg und auch bei der Zwischenlandung in Wien, ihre Wasserflaschen im Handgepäck aufzufüllen und so für die Weiterreise gerüstet zu sein. Denn zusammen mit Pascale und Lars, die bereits einen Tag früher über Prag den langen Weg nach Larnaca angetreten hatten, fuhren wir erst gegen 18 Uhr vor unserem Hotel in Paphos vor.
Das 5-Sterne "Coral Beach Hotel" befindet sich direkt an der Coral Bay (Korallenbucht). Ein konzeptionelles Plus der riesigen Anlage ist die Trennung der Sportmannschaften von den übrigen Hotelgästen. Dies beschert beiden Parteien Ruhe voreinander und lockert für die Sportler erfreulicherweise Bekleidungsvorschriften u.ä. Tennisplätze, ein 50m Pool, ein Strand sowie ein eigener Hafen komplettieren die terrassenartig angelegte Anlage. Zum 50m "Olympic Pool" gibt es sogar einen separaten Aus- / Eingang von unserem Hoteltrakt aus, was unseren "Gehweg" verkürzte.
Die Poolanlage selbst liegt ein wenig landeinwärts und ist komplett von Sträuchern und Bäumen umgeben, so dass der frische Seewind beim Training kaum stört. Obwohl die Zimmer in Reichweite sind, stehen in zwei Containern unmittelbar am Pool Nassbereiche zur Verfügung. Neben unserer Delegation waren u.a. Schwimmer aus Elmshorn, von Bayer und auch aus England vor Ort, so dass die zehn Bahnen beinahe ganztägig belegt waren. Für das Training besonders interessant - zur Willensbildung - waren die Meterzahlen auf dem Beckenboden. Ein "verdammt, noch 40m" ist wahrscheinlich jedem mindestens einmal durch den Kopf gegangen.
Das Gesamtangebot der Anlage wurde von uns bei Weitem nicht ausgeschöpft. Wenn nicht geschlafen oder trainiert wurde, fand man die Wedeler eigentlich nur auf dem Volleyballfeld oder beim Essen. Die mangelnde Fähigkeiten beim Ballspiel versuchte ein jeder beim Buffet wettzumachen. Eine großzügige Auswahl an kalten und warmen, sowie auch reichhaltigen Süßspeisen rundete den Tag und den Bauch wohlig ab. Besonders begehrt war vor allem das frische Obst - besonders die saftigen Orangen, von denen man in Deutschland leider nur träumen kann.
Einmal versuchten wir uns beim Beachfußball. Leider gab unser Hotelstrand, aber auch eigentlich das Wetter, das nicht her, so dass wir an den vollkommen leeren Strand des benachbarten Apparthotels wechselten. Doch alsbald erschien ein Manager, um uns von dort zu vertreiben. Fadenscheinige Begründungen gab es zu Hauf, z.B. dass sich die (nicht vorhandenen) Hotelgäste gestört fühlen würden. Vielleicht haben sie das, nur sicher nicht von unserem Spiel, sondern von unserem späteren "Abschiedsgeschenk".
Am Ostersonntag war natürlich Ostereiersuchen angesagt. Mathias hatte ich Deutschland die Läden geplündert und Finnja wurde zum Verstecken ausgeschickt, als der Rest der Gruppe am Strand die geschundenen Muskeln durchdehnen musste. Die Überraschung schien gelungen zu sein, wobei das Versteck im knie- bis hüfthohen Gras auch prädestiniert gewesen ist.
Als Organisator war ich sehr zufrieden, dass sich die unvorhergesehene Momente in Grenzen hielten. Positiv war die Überraschung, dass wir am Anreisetag eine Trainingseinheit geschenkt bekommen haben, die wir nicht gebucht und damit auch nicht bezahlt haben. Dafür war allerdings das letzte Abendbrot aus der Planung gefallen. Ein Preis von 17 € pro Person empfanden wir allerdings als zu teuer und so einigten wir uns auf Pizza.
Das war ein Fehler! - Im Internet hatten wir alles geklärt, doch der Bestellvorgang wurde zur Odyssee. Ins Hotel durfte eine bekannte, die wohl weltweit größte Pizzakette nicht liefern, und in drei Anrufen wechselte die Tendenz immer wieder zwischen ja und nein, ob man zur Bushaltestelle vor dem Hotel liefern könnte. Aus Verzweiflung bzw. letzte Hoffnung wurden Finnja und Fabian schlussendlich mit dem Bus ausgeschickt. Warum wir nicht vorbestellen konnten, kann an dieser Stelle nicht aufgelöst werden … Statt den vier auswählbaren Böden gab es zum Überfluss nur den dünnsten und Mozzarella war gleich Doppelkäse. Verwirrend und wenig überzeugend! Obendrein brauchte der Bäcker auch noch die doppelte Zeit zur Herstellung, und so mussten unsere beiden Helden mit dem Taxi zurückfahren, während die andere die wohl witzigste - wie aber auch erschreckendste (Stichwort: Galgenhumor) - Videoanalyse über sich ergehen lassen mussten. Kurz vor der Abfahrt um 23 Uhr saßen aber alle glücklich am Strand und bissen in ihre Pizza. Der mäßige Geschmack der mittelmäßigen Pizzen wurde dabei nur durch den großen Hunger überdeckt.
Anstrengend, aber auch viel zu schnell verstrichen die Tage bei bestem Trainingswetter - nicht zu kalt, aber auch nicht zu viel Sonne - und wir gewannen sogar gegen die Statistik, indem wir mehr als einen der statistisch auftretenden Regentage im April erlebten. Erwähnt werden muss, wie diszipliniert sich die Gruppe - zumindest vor den Augen der Betreuern - während des ganzen Trainingslagers verhalten hat. Pünktlichkeit und Etikette wurden gewahrt, lieferten manche englische Sportskameraden allerdings auch täglich abschreckende Beispiele, wie es wirkt, wenn man sich nicht daran hält. Ich bin mit unserem Auftreten sehr zufrieden!
Abschließend möchte ich mich noch bei Steven von Sports Abroad Ltd., der meine vielen Fragen treu und zeitnah zu beantworten wusste, und natürlich bei den Eltern bedanken, die mindestens eine Fuhre Sportler zum Vorabend-Check-In, zum Abflug oder beim Abholen gefahren haben.
Zum Abschluss möchte ich noch eine nette Anekdote zum Besten geben: Der Trainer des weiblichen, englischen Talentteams "erfreute" alle Pool ungefragt, lautstark mit seinem Musikgeschmack. Bald beschwerten sich bei mir nicht nur die bekennenden Metaller der Gruppe über das Lauschgift, sondern auch Esra und Jasmin: "Beim Training wollen wir solche Partymusik nicht hören. So können wir nicht trainieren, da sind wir nicht in Trainingsstimmung. Wir wollen das hören, was wir immer beim Krafttraining hören." Das englische Talentteam hört also Dance und die SG Elbe zukünftig Metal … wenn das nicht für sich spricht.
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